Biochemiker und Molekularbiologen tagen in Mosbach

Das traditionelle Frühjahrstreffen der GBM vom 25. bis 28. März steht unter dem Titel "Mehr als Lipidbarrieren – Neue Horizonte in der Membranbiologie".

Mit rund 5.000 internationalen Mitgliedern aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen ist die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) die größte biowissenschaftliche Fachgesellschaft Deutschlands. Die traditionelle jährliche Frühjahrstagung der GBM findet bereits seit 1950 in Mosbach statt, in diesem Jahr zum 77. Male.

Zum Auftakt des Kolloquiums lädt die Stadt Mosbach vertreten durch den (Ober-) Bürgermeister traditionell zu einem Empfang im historischen Rathaus ein, bei dem gemeinsam mit dem GBM-Präsidium die Gäste aus dem In- und Ausland begrüßt werden. Die dreitägige Tagung der GBM findet im Kultur- und Tagungszentrum Alte Mälzerei statt.

Beim Empfang zum Auftakt des Kolloquiums tauschten sich Bürgermeister Patrick Rickenbrot, GBM-Vizepräsident Professor Dr. Volker Haucke und Fabian Weiß, Amtsleiter Wirtschaft und Kultur aus

Das 77. Mosbacher Kolloquium

Das 77. Mosbacher Kolloquium der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie e.V. fokussiert sich auf das Verständnis zellulärer Membranen für die Funktion von Organellen und Zellen. Im Zentrum des Symposiums stehen neben der Organisation von Membranen in verschiedenen Organellen die Homöostase von Lipiden an diesen Membranen, sowie die Anpassungen und Veränderungen von Membranen unter zellulärem Stress und bei der Entstehung von Krankheiten. Einblicke in neue Technologien zur Analyse von Membranen runden das Programm ab und rücken somit insbesondere den interdisziplinären Charakter moderner Membranbiologie an der Schnittstelle von Biochemie, Biophysik, chemischer Biologie und Zellbiologie ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

„Membranes are everywhere!“ Jede Zelle ist durch Membranen umgeben und definiert. Diese trennen innen von außen und entscheiden damit über Leben und Tod jeder Zelle. In eukaryontischen Zellen existieren darüber hinaus Organellen, die ebenfalls von Membranen begrenzt sind. Jede dieser Membranen besteht aus einer Vielzahl von Membranproteinen und Lipiden, die sich in Ladung, Packungsdichte, Länge und Sättigung unterscheiden. Beide zusammen entscheiden über die Identität und Funktionalität von Zellen und Organellen. Membranen haben selektive Dichtigkeit, die von der Zelle genau beobachtet wird. Nur intakte Membranen können ein Membranpotenzial aufbauen, das für die Aufnahme von Nahrung wie Glucose und Aminosäuren, Ionen wie Magnesium oder Kalium, für die Bildung von ATP und für die Weiterleitung von Signalen unerlässlich ist. Obwohl wir um deren Bedeutung wissen, haben neue wissenschaftliche Fortschritte unseren Blick um deren Komplexität und Bedeutung entscheidend geschärft.

Durch Membranen werden zelluläre Reaktionen kontrolliert und beschleunigt. Wenn Reaktionen auf Membranen verlagert werden, verringert sich die Dimension der Komplexität für Interaktionen von 3D auf 2D. Dazu müssen Membranen eine definierte Identität haben. Lipide müssen gezielt zu Membranen gebracht werden, wenn sie fehlen, um Membranproteinen optimale Reaktionsbedingungen zu schaffen. Wir wissen erst seit wenigen Jahren, wie Membrankontaktstellen aufgebaut sind und wie sie die Membranen der Zelle beeinflussen können. Dort wirken spezifische Lipidtransporter, die entweder einzelne Lipide übertragen oder Lipide über offene Brücken transportieren. Wie genau diese Lipidtransporter die Membrankomposition von Organellen beeinflussen, ist jedoch nach wie vor unklar. Biophysikalische und biochemische Methoden und neuste Modellierungsmethoden erlauben, diese Prozesse in Modellsystemen, aber auch in Zellen, im Detail zu verstehen.
Zelluläre Membranen unterliegen ständiger Beobachtung, um sich neuen physiologischen Bedingungen oder Stress anzupassen. Dazu existieren Sensorproteine, die solche Veränderungen registrieren und Anpassungsprozesse, aber auch Reparaturmechanismen einleiten, die erst kürzlich entdeckt wurden. Es verwundert daher nicht, dass Fehler in den beteiligten Proteinen mit der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen einhergehen.

Entscheidende Fortschritte in der Lipidanalytik, der spezifischen Herstellung modifizierter Lipide und deren Detektion mit Hilfe von kürzlich entwickelten massenspektrometrischen Methoden erlauben es, nicht nur die Komposition von Membranen in Zellen zu verstehen, sondern in die Zelle selbst zu schauen. Kombiniert mit der Strukturanalytik und tomographischen Analysen von Zellen ergeben sich so unglaubliche Einblicke, um Membranprotein und Membranfunktionen im Detail zu verstehen.

Das Mosbacher Kolloquium 2026 ist so konzipiert, dass zentrale Aspekte der aktuellen Forschung zu Membranen und deren Bedeutung für die Physiologie von Organismen umfangreich abgedeckt werden. Die eingeladenen Sprecherinnen und Sprecher repräsentieren die Breite des Gebiets – von der Analyse molekularer Interaktionen zwischen Membranproteinen und Lipiden, über die Biophysik von Membranen bis hin zu neuen Techniken der Lipid- und Proteinanalytik. Die fünf Sessions beinhalten eine kurze Einführung durch die Chairs, um die Bedeutung der Vorträge für das Gebiet auch für ein breites Publikum zugänglich zu machen, gefolgt von Vorträgen von etablierten Größen im Gebiet sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und – wissenschaftlern.

Das Mosbacher Kolloquium 2026 zielt darauf ab, jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einen Überblick über die Bandbreite der Membranforschung zu geben und für das Thema zu begeistern. Die Junior GBM wurde aktiv an der Organisation der Konferenz beteiligt und wird eine der Sessions leiten.

Ein weiterer wichtiger Teil der Tagung sind Kurzvorträge von Nachwuchsforschenden, die aus den eingereichten Abstracts ausgewählt wurden. Das Programm umfasst drei Postersessions, die Promovierenden und Postdocs die Möglichkeit bieten, ihre Forschungsarbeiten zu präsentieren und über ihre Ergebnisse zu diskutieren. Darüber hinaus wird die Junior GBM die bewährten "Meet the Prof"-Sessions als informelle Gelegenheit zum Gespräch mit erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern anbieten. Schließlich wird die GBM im Rahmen des Mosbacher Kolloquiums gemeinsam mit dem Sponsor Elsevier und dessen Zeitschrift BBA die Otto-Warburg-Medaille an Maya Schuldiner vom Weizman Institut in Rehovot, Israel, verleihen.