„Vom Nullpunkt in ein neues Leben“ – Timo Schüsseler sprach über Sucht an Mosbacher Schulen
Spannende Suchtprävention in Mosbach: Ex-Alkoholiker Timo Schüsseler spricht an den Gymnasien NKG und APG ungeschönt über Sucht, Social Media und das Belohnungssystem.
Ehrlich und ungeschönt: Präventionsexperte und Autor Timo Schüsseler sprach vor Mosbacher Schülern über seine eigene Suchtvergangenheit und die Mechanismen von Abhängigkeit. ©Stadt Mosbach
Wie fühlt es sich an, wenn Alkohol, Drogen oder andere Süchte das eigene Leben bestimmen? Und warum geraten manche Menschen überhaupt in eine Abhängigkeit? Mit diesen Fragen setzte sich der Präventionsexperte und Autor Timo Schüsseler Anfang Juni gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums und des Auguste-Pattberg-Gymnasiums auseinander. Organisiert und finanziert wurden die Vorträge durch das schulische Gesundheitsmanagement der Stadt Mosbach. Ergänzend zu den Schulveranstaltungen fand am Auguste-Pattberg-Gymnasium ein offener Elternabend zum Thema Alkoholprävention statt.
Timo Schüsseler ist seit mehr als fünfzehn Jahren trockener Alkoholiker. In seiner Autobiografie „Vom Nullpunkt in ein neues Leben“ schildert er offen und schonungslos seinen Weg in die Sucht und zurück ins Leben. Genau diese Ehrlichkeit macht seine Vorträge so besonders. Statt theoretischer Informationen erleben die Jugendlichen einen Menschen, der selbst erfahren hat, welche Folgen Alkohol- und Drogenkonsum haben können.
Was ist eigentlich Sucht?
Gleich zu Beginn stellte Schüsseler eine einfache Frage: „Was ist eigentlich Sucht?“ Schnell wurde deutlich, dass Sucht weit mehr bedeutet als Alkohol oder illegale Drogen. Gemeinsam wurde darüber gesprochen, warum Menschen immer wieder nach Glücksgefühlen suchen und weshalb das Belohnungssystem im Gehirn dabei eine zentrale Rolle spielt.
Dabei nahm Schüsseler kein Blatt vor den Mund. Er sprach über Alkohol, Cannabis, Vapes und Lachgas ebenso wie über die zunehmende Bedeutung von Smartphones und sozialen Medien. „Jeder weiß eigentlich, dass Rauchen, Vapen oder übermäßiger Alkoholkonsum schädlich sind. Trotzdem machen es viele, weil es sich so gut anfühlt“, erklärte er den Jugendlichen.
Sucht habe oft wenig mit Vernunft und viel mit Gewohnheiten, Emotionen und dem Bedürfnis nach Anerkennung zu tun. Besonders eindrücklich waren die persönlichen Schilderungen aus seinem eigenen Leben. Schüsseler berichtete von den körperlichen und psychischen Folgen seiner Suchterkrankung und machte deutlich, dass jede Form von Konsum Konsequenzen hat. Gleichzeitig vermittelte er aber auch Hoffnung und zeigte Wege auf, wie Menschen aus einer Abhängigkeit herausfinden können.
Beim Elternabend richtete sich sein Blick vor allem auf die Rolle von Eltern und Bezugspersonen. Er ermutigte dazu, Sorgen offen anzusprechen, klare Grenzen zu setzen und Konflikte nicht aus Angst vor Auseinandersetzungen zu vermeiden. Kinder und Jugendliche müssten lernen, mit Frust, Langeweile, Trauer, Liebeskummer oder Enttäuschungen umzugehen. Genau diese Erfahrungen seien wichtige Bausteine für ein gesundes und selbstbestimmtes Leben. „Sucht wird häufig totgeschwiegen“, so Schüsseler. Umso wichtiger sei es, frühzeitig miteinander ins Gespräch zu kommen und Kindern vorzuleben, dass jedes Verhalten Folgen hat. Ehrliche Gespräche, Vertrauen und Interesse seien oft wirksamer als Verbote allein.
Mosbacher Schulen ziehen positives Fazit
Auch die beteiligten Schulen zogen ein positives Fazit. Andreas Link, Präventionslehrkraft am Auguste-Pattberg-Gymnasium, betonte: „Eigentlich müsste jeder diesen Vortrag hören. Es geht nicht nur um Alkohol. Jeder Mensch hat ein Belohnungszentrum im Gehirn. Deshalb betrifft das Thema Sucht uns alle.“ Auch vom Nicolaus-Kistner-Gymnasium gab es positive Rückmeldungen. Präventionslehrkraft Nicole Haßfeld berichtete, dass die Schülerinnen und Schüler die Veranstaltung als sehr gelungen erlebt hätten. Aus ihrer Sicht wäre es wünschenswert, das Angebot auch im kommenden Schuljahr erneut durchzuführen.
Jennifer Amend-Groß, Gesundheitsmanagerin der Stadt Mosbach, zeigte sich ebenfalls zufrieden mit der Resonanz: „Suchtprävention ist ein Thema, das alle Lebensbereiche betrifft. Umso wichtiger ist es, Jugendliche frühzeitig zu stärken, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und ihnen Strategien für einen gesunden Umgang mit Herausforderungen an die Hand zu geben. Die Vorträge von Timo Schüsseler leisten hierzu einen wertvollen Beitrag.“
Die Veranstaltung machte deutlich: Suchtprävention beginnt lange bevor eine Abhängigkeit entsteht – nämlich dort, wo Kinder und Jugendliche Selbstvertrauen entwickeln, lernen mit schwierigen Gefühlen umzugehen und erfahren, dass sie ihr Leben aktiv gestalten können.


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