Online-Ausstellung 2021
„Annonciren bringt Gewinn“
„Annonciren bringt Gewinn - Mosbacher Zeitungsreklame vor 100 Jahren“ ist eine Sonderschau der etwas anderen Art. Historische Reklame aus dem Werbeteil der ersten Mosbacher Zeitung, dem Mosbacher Volksblatt, erlaubt buchstäblich „Einblicke“ in eine mehr als schillernde Welt: Zeitungswerbung, die Mosbach vor 100 Jahren bewegte!
In 11 thematischen „Schaufenstern“ werden 130 historische Werbeanzeigen präsentiert. Sie stehen exemplarisch für das pralle Alltagsleben, das sich im Reklameteil des "Mosbacher Volksblatts" zeigt.
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Die Geschichte der Tageszeitungen unserer Region ist - Mosbach und die umliegenden Gemeinden betreffend - auch eng mit dem Mosbacher Volksblatt verbunden. Das Blatt erschien ab dem 19. März 1892 und wurde auf Druck der Nationalsozialisten am 29. Februar 1936 eingestellt. Das Volksblatt verstand sich von Anfang an als Organ des politischen Zentrums und war damit stark christlich-konfessionell ausgerichtet.
Das Mosbacher Volksblatt gesellte sich neben zahlreiche „Verkündigungsblätter“ sowie die Badische Neckarzeitung (Odenwälder Bote). Das neue Blatt firmierte als Mosbacher Volksblatt - Allgemeiner Anzeiger für den Kreis Mosbach und enthielt von Anfang an als mehrseitige Gratisbeilage das „Illustrierte Unterhaltungsblatt“. Die Ausgaben erschienen zunächst dienstags, donnerstags, samstags und sonntags und waren auch zum vierteljährlichen Abonnementspreis von 1,65 Mark als Postsendung erhältlich.
Die Geschichte der Zeitung ist untrennbar verbunden mit der Mosbacher Familie von Hermann Eiermann, die als Initiator, Herausgeber/Verleger agierte und in deren Druckerei die Zeitung produziert wurde. Im Zeitungsarchiv des Stadtmuseums sind nahezu alle Ausgaben in Form großer Jahresbände original erhalten und stehen auf Anfrage für Recherchen zur Verfügung.
Bereits im Geleitwort zur ersten Ausgabe, für dessen Titel sinnigerweise die Überschrift „Schon wieder ein neues Blatt!“ gewählt wurde, wird die neue Leserschaft um „thatkräftige Unterstützung“ gebeten. Neben der Aufforderung an die Bevölkerung, der Redaktion „alle wissenswürdigen Vorkommnisse aus der Gegend“ zukommen zu lassen, wird auch das „Abonniren, Correspondieren und Inseriren“ ausdrücklich erbeten. Betrachtet man den Werbungsteil in der knapp 44jährigen Geschichte des Blattes, so wurde insbesondere von der Anzeigenschaltung durchgehend rege Gebrauch gemacht.
Nicht nur die redaktionellen Berichte und Nachrichten des Mosbacher Volksblatts enthalten also Informationen zu verschiedensten Themen der überregionalen, regionalen und lokalen Geschichte. Auch die Anzeigen des Werbeteils, zeitgenössische Reklame und Annoncen, sind eine Fundgrube insbesondere für die Erforschung zur Lokalgeschichte. Geschäfts- und Betriebsgründungen oder -Umzüge, Beschreibungen und Abbildungen der beworbenen Produktpalette und Dienstleistungen, das Angebot von Gaststätten oder Hinweise auf Veranstaltungen vielfältiger Art - all diese Themen bilden sich in der Reklame ab und wir können sie wie Schaufenster des alltäglichen Lebens früherer Generationen betrachten.D
Schaufenster "Reklame für Reklame"
Überblick
„Wer nicht wirbt, der stirbt“ ist eines der vielen Zitate, die dem Autobauer Henry Ford zugeschrieben werden, wenn es um das Thema Werbung geht. „Wer aufhört zu werben, um Geld zu sparen, kann ebenso seine Uhr anhalten, um Zeit zu sparen“, lautet ein anderes.
Wie andere Zeitungen auch setzte das Mosbacher Volksblatt bereits zu seinen Anfängen in den frühen 1890er Jahren auf „Reklame für Reklame“ in den täglichen Ausgaben. Ziel der immer wieder im Anzeigenteil eingestreuten Werbung in eigener Sache war, die Reklamekunden (Geschäftsleute, Handwerksbetriebe, Dienstleister usw.) auf die große Bedeutung der im Idealfall dauerhaft geschalteten Werbung hinzuweisen. Für die Zeitungen war der Umsatz durch das Annoncen-Geschäft eine wichtige wirtschaftliche Größe.
Werbeanzeigen wurden als unkompliziertes und gleichzeitig höchst modernes Instrument zur Kundenbindung beschrieben. Die Aufmerksamkeit der Kunden sei von größtem Nutzen und mit geringem Aufwand bereits mit kleinen Werbeanzeigen zu erzielen. Deren Wirkung galt es als Wettbewerbsvorteil gegenüber der „werbefaulen“ Konkurrenz zu nutzen: „Annonciren bringt Gewinn“.
1892 Inserate
1895 Annoncieren
1896 Reklamesprüche
1921 Kleine Anzeigen
1930 Was tun
1936 "Nein" sagen
1936 Streichholzschachteln
Schaufenster "Dienstleistungen & Handwerk"
Überblick
Neben Anzeigen für Waren des täglichen Gebrauchs stellen diejenigen für Handwerk und praktische Dienstleistungen die größte thematische Gruppe innerhalb der historischen Werbeanzeigen des Mosbacher Volksblatts dar. Die Reklame von Betrieben des Sanitär- und Heizungsbereichs, von Sattlern, Malern und Tapezierern usw. vermittelt uns heute ein realistisches Bild der damaligen Arbeitswelt und erinnert auch an heute selten gewordene oder gänzlich verschwundene Berufe.
Auffällig ist aus heutiger Sicht der stark betonte Arbeits- und Berufsethos, der besonders im Handwerksbereich in den jeweiligen Reklametexten mitschwingt.
1892 Weinmann
1892 Treib
1892 Friseur H. Großkinsky
1895 J. Kratzert
1898 Montigel & Wolf
1900 A. Luft
1902 J. Littig
1902 G. Rappold
1902 F. Häfele
1902 G. Altendorf
1915 W. Banspach
1915 F. Schäfer
1921 Anselment
1928 W. Schäfer
Schaufenster "Haushalt"
Überblick
Die historische Werbung im Mosbacher Volksblatt ist auch ein Spiegel der früher alltäglichen Haushaltswaren. Beworben wurden Dinge des täglichen Gebrauchs, aber auch Komfort- und Luxusgüter. Neben „günstigsten Preisen“ stellen die Beschreibungen der Angebote oft die Langlebigkeit der Waren sowie deren vermeintlich komfortable Handhabung (oft durch „die Hausfrau“) in den Mittelpunkt.
Noch heute überrascht die Vielfalt der Sortimente und individualisierten Lösungen für den früheren Haushalt, in den bereits um 1900 immer mehr technische Geräte Einzug fanden. Dem Verlangen nach moderner Technik seitens der Kunden wurde so auch mit gezielter Werbung entsprochen.
1892 E. Köhler
1900 Montigel & Wolf
1900 A. Rumig
1902 Montigel & Wolf
1906 H. Kaufmann I
1906 H. Kaufmann II
1906 H. Kaufmann III
1908 J. Burckhardt
1913 "Erdal"
1913 O. Kipphan
1915 K. Müller
1915 O. Kipphan
1921 K. Müller
1921 Miertzsch-Euler
1921 Miertzsch-Euler
1921 C. Greve
Schaufenster "Bekleidung & Schuhe"
Überblick
Einen großen Anteil der täglichen Annoncen stellt der Bereich „Bekleidung, Schuhe und Schmuck“ dar. Bereits zur Jahrhundertwende existierten in Mosbach entsprechende Familienbetriebe, deren Bekleidungs-Kaufhäuser sowie Uhren- und Schmuckgeschäfte ein breitgefächertes Angebot für die Bevölkerung bereithielten.
Die graphische Gestaltung der Anzeigen stellt dabei oft sehr anschaulich die jeweiligen Produkte sowie deren Varianten, Preise und Verfügbarkeiten in den Mittelpunkt. Betont werden Neuheiten und Patente als Beleg, dass auch die Mosbacher Geschäftswelt sich am Puls der Zeit orientiert. Maßanfertigungen von Kleidung und Schuhen gehörten, im Gegensatz zu heute, zum Standard eines „guten“ Geschäfts.
Die verhältnismäßig häufige und bildhaft ausgeschmückte Werbung für Hüte und Regenschirme ist nur eines von vielen Beispielen, wie sich zeitgenössische Modestile und deren Veränderung auch in den Werbeanzeigen des Mosbacher Volksblatt widerspiegeln.
1892 J. Fischer
1893 Bundschuh
1895 J. Ochs
1900 F. Stadler
1900 T. Herkert
1900 S. Dilsheimer
1900 L. Teubner
1900 F. Brian
1900 F. Stadler
1902 S. Dilsheimer
1902 M. Zänglein
1905 P. Noe
1905 H. Seitz
1905 M. Held
1906 L. Brauss
1908 L. Goebes
1908 J. Fischer
1908 J. Breunig
1908 Bundschuh
1908 H. Pippig
1910 A. Askani
1910 L. Brauss
1912 A. Palm
1913 H. Stadler
1913 A. Askani
1915 A. Banspach
1921 E. Lehre
1928 S. Kaufmann
Schaufenster "Lebensmittel"
Überblick
Zielgruppenorientierte Werbung für Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien, Metzgereien etc. und deren Angebote waren (ähnlich der heutigen Zeitungswerbung und deren Beilagen) bereits fester Bestandteil der frühen Ausgaben des Mosbacher Volksblatts. Im Delikatessen- und Spezialitätenhandel beworben wurden aber auch „exotische“ Waren wie Schokolade und Südfrüchte.
Neben generationsübergreifenden Familienbetrieben, v.a. bei den Metzgereien und Bäckereien, sind schon früh überregionale „Ladenketten“ vertreten. Ein Beispiel hierfür ist die Mosbacher Filiale des Konzerns „Kaiser’s Kaffee“.
1902 F. Letzguss
1902 A. Orth
1908 J. Burckhardt
1910 H. Heiss
1913 Kaiser's Kaffee
1921 A. Holl
1921 H. Leiblein
1926 O. Herold
1929 G. Lichdi
Schaufenster "Drogerie"
Überblick
Eine kaiserliche Verordnung gestattete ab dem Jahre 1872 den Drogisten, eine breite Palette an sogenannten Arzneidrogen zu verkaufen. Viele Produkte fertigten bzw. mischten Drogisten auf Wunsch der Käufer individuell an. Hergestellt wurden Zahnpulver und -Creme, Backpulver, Hautcreme, Schuhputzmittel oder Reinigungsmittel aus verschiedenen Zutaten. Auch wurden Bleichwässer, Tee- und Kräutermischungen in vom Kunden mitgebrachte Behälter gefüllt oder in Papiertütchen verkauft. In Zeiten industrieller Fertigung von Pharmazeutik war der Drogist die erste Adresse bei Fragen der Gesundheitsfürsorge.
Als die Fotografie aufkam, deckten sich Fotografen in der Drogerie mit den benötigten Materialien für die Entwicklung der Bilder ein. Selbst Treibstoff für Maschinen und Automobile wurden, in Fässern oder Flaschen abgefüllt, angeboten.
Die Werbeanzeigen der Mosbacher Germania-Drogerie, Inh. Kapferer, zählen zu den über Jahrzehnte beständigsten und inhaltlich interessantesten Beispielen für zeittypische Reklame (u.a. für Dynamit und Mittel gegen Mäuseplage) im Mosbacher Volksblatt.
1892 Kapferer I
1892 Kapferer II
1893 Kapferer
1895 Scherer
1900 Kapferer I
1900 Kapferer II
1900 Kapferer III
1905 Kapferer
1914 Kapferer
1921 Hess
1921 Hartmann
1921 Hess
1936 Kapferer
Schaufenster "Gastronomie"
Überblick
Mosbachs Gaststätten und Lokale sind, entsprechend ihrer Bedeutung im Alltag der Bevölkerung, traditionell sehr häufig im Anzeigenteil des Mosbacher Volksblatts vertreten. Meist wird mit dem Angebot an Speisen und Getränken geworben, dies „bei billigsten Preisen und prompter Bedienung“. Auch Neueröffnungen, Pächterwechsel oder Renovierungen von Gasträumen usw. werden der Bevölkerung „angezeigt“.
Eine große Rolle nehmen dabei auch die Mosbacher Brauereien ein, insbesondere die Brauereien Schumacher-Häffner und Hübner mit ihren jeweiligen Brauerei-Gaststätten. Gerne genutzt wurde der Anzeigenteil, um für die früher häufig stattfindenden Schlachtfeste zu werben. In den Lokalen fanden auch vereinzelt Veranstaltungen wie Vorträge, Konzerte und Theateraufführen usw. statt. Auch hier galt es, mit tagesaktueller Werbung die Aufmerksamkeit der Leserschaft zu erhalten.
Zu den immer wieder werbenden Lokalen zählen die Traditionshäuser Krone, Goldener Hirsch sowie Deutscher Hof, das Stammhaus der Brauerei Hübner.
1892 Zum Felsenkeller
1892 Hirsch
1893 Zum Schwert
1902 Vereinslokal
1908 Zum Adler
1908 Weinwirtschaft Lenz
1908 Deutscher Hof
1908 Zur Ebertsburg
1910 Zum Schwanen
1910 Zum Felsenkeller
1910 Altdeutsche Bierstube
1912 Krone
1912 Zum Schwert
1912 Zur Ebertsburg
1914 Altdeutsche Bierstube
1921 Café König I
1921 Café König II
1921 Café König III
1921 Deutscher Hof
Schaufenster "Medizin & Gesundheit"
Überblick
Aus heutiger Sicht zählen manche Werbeanzeigen aus dem Bereich „Medizin und Körper“ sicher zu den eher kurios anmutenden Beispielen für historische Reklame. So wirbt das Zahnatelier Grosskinsky mit "Nervtöten“ und der Umarbeitung „schlecht sitzender Gebisse". Der Ankauf von künstlichen Zähnen und Gebissen wurde sogar als öffentliche Veranstaltung in Mosbacher Gaststätten durchgeführt und entsprechend dafür geworben.
Auch der so modern anmutende Bereich Freizeit und Erholung spiegelt sich wider, beispielsweise in den Anzeigen für Erholungsbäder und Kahnfahrten im Cäcilienbad.
1905 H. Grosskinsky
1912 Cäcilienbad
Heute würde man es als Naherholungsgebiet bezeichnen: Reklame für das Cäcilienbad, das sich bei der Mosbacher Bevölkerung großer Beliebtheit erfreute. Angeboten wurden Kahnfahrten auf dem Weiher, aber auch Wannenbäder, da nur wenige Haushalte über ein eigenes Bad verfügten. (Mosbacher Volksblatt 23. Juli 1912)
1920 Zähne und Gebiss I
1920 Zähne und Gebiss II
1930 Anatomieausstellung
Schaufenster "Kultur & Veranstaltungen"
Überblick
Das pralle Leben im Spiegel der Reklame: Auch im Mosbacher Volksblatt wurde kräftig auf kulturelle und gesellige Veranstaltungen, für Feste und Feiern aufmerksam gemacht. Das breite Angebot reichte von Theateraufführungen und Tanzkursen in der Krone bis zum Schaustellerwesen mit „lebenden Attraktionen“ auf dem Viehmarktplatz. Auch für die „Volksbibliothek“ und für Faschingsabende wurde regelmäßig im Volksblatt geworben.
1892 Athletengruppe Schmidt-Knie
1892 Theater
1910 Volksbibliothek
1921 Schausteller
1921 Varieté
1921 Tanzkurs
1936 Narrenabend
Schaufenster "Allerlei"
Überblick
„Allerlei“ Hier passen sie gut hin: Werbeanzeigen, die aus verschiedenen Gründen nicht in Vergessenheit geraten sollen. Hätten Sie gedacht, dass die Druckerei Eiermann nicht nur das Mosbacher Volksblatt gedruckt hat, sondern auch Brot-Stempel herstellte (und natürlich im eigenen Blatt dafür warb)? - oder, dass sich „im Hause des Ofenfabrikanten Frey" im Jahre 1902 gleichzeitig eine „katholische Buchhandlung“ befand?






















































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